Freitag, 7. März 2014

Public-Writing: Computer zwischen Kraut und Kotelett


Was hat ein Fass mit einer Halle zu tun, oder noch besser: mit einem Mord? Gemach. Zuerst folgen Sie mir bitte in die Moabiter Arminiushalle, oder besser „Zunfthalle“ (nach dem Betreiber), oder, ganz korrekt, die „Arminiusmarkthalle - Markthalle Moabit“. Sie diente als einzige der alten Berliner Markthallen - bis auf eine kurze Zeit während des Zweiten Weltkriegs - ununterbrochen der Bestimmung, für die sie vor mehr als 120 Jahren gebaut worden ist. „Ruppig, bodenständig, gut“ , beschrieb die Berliner Zeitung im November 2013 das Angebot. Kein Wunder also, dass es mir dort gefällt. Denn: Das trifft's.

Wer zuhören kann und beobachten, für den ist die Halle besser als Kino - abgesehen von den Kulturveranstaltungen, die dort immer wieder angeboten werden. Gesprächsinseln aus Stühlen und Tischen im Käuferstrom bieten dafür genügend Möglichkeiten. Kurz, die Halle bietet sich als Tatort für einen Krimi geradezu an.

Samstag, 29. März, ab 12 Uhr, trete ich den Beweis an. Öffentlich. Schriftlich. Unter dem Motto  "Wenn Schreiben auf Wirklichkeit trifft", wird die Halle zum doppelten Tatort. Wer will, kann mir beim Verfassen meines nächsten Berlinkrimis, eben genau dem, der in der Halle spielt, über die Schulter schauen (Erscheinungstermin Februar 2015, Jaron Verlag Berlin).

Anno 1891 am 1. Dezember ging die Arminushalle mit damals noch 130 Ständen in Betrieb. Einst waren 14 Hallen geplant, die Arminiushalle trug die Nummer X. In Kreuzberg gibt es noch die Marheineke-Halle im Kreuzberger Bergmann-Kiez und die Markthalle IX in der Nähe des Mariannenplatzes. Yiannis Kaufmann, Manager der Arminius-Halle, täglich in „seiner“ Halle unterwegs, meist in Sakko, Schal und mit Schieberkappe kennt jeden Händler, jede Lebensgeschichte.

Die Moabiter Arminiushalle wurde an der Stelle eines in der Stadt verstreuten Wochenmärkte gebaut, der auf ziemlich feuchtem und sumpfigem Grund stand. An überdachte Märkte dachte man in Berlin bereits in Revolutionsjahr 1848, aber erst 24 Jahre später, nämlich 1872, haben die Stadtgemeinde und die „Deutsche Baugesellschaft“ mit den Verhandlungen begonnen, es gab einen Vertrag für zunächst elf Hallen. Doch der Polizeipräsident traute der Angelegenheit nicht, er wollte die Versorgung der Berliner Bevölkerung lieber selbst sicherstellen. Es geschah, was immer geschieht, wenn ein Höhergestellter eine Idee hat: Es wurde eine Kommission gegründet, die nach eingehender Prüfung der Markthallenfrage 1875 festlegte, dass „endlich der Marktbetrieb unbeschränkt stattfindet, so dass jeder zu einer ihm genehmen Zeit, geschützt gegen die Unbilden der Witterung seine Einkäufe machen kann.“

Soweit so gut. Doch damit waren die Hallen noch lange nicht gebaut. Die Stadtverordneten-Versammlung ersuchte den Magistrat schließlich 1881 „einen generellen Plan behufs Errichtung von Markthallen für die ganze Stadt aufzustellen und der Versammlung zugehen zu lassen.“

Dieses Mal kam man schneller zu Potte – schon ein Jahr später lag der Plan für die Zentralmarkthalle vor, der Erste Spatenstich erfolgte auch sogleich. Dann kamen nach und nach die anderen Hallen, insgesamt 11.

Doch die Geschäfte florierten nicht überall gleich gut. Bis 1912 waren vier der Hallen schon wieder geschlossen – und aus der Halle III in der Zimmerstraße wurde zum Beispiel das „Ballhaus Clou“.

Nach dem zweiten Weltkrieg schließlich waren acht der Hallen nur noch Schutt und Asche, zwei schwer beschädigt – Arminius in Moabit und Eisenbahn in Kreuzberg waren einigermaßen heil geblieben, Marheineke war so schwer beschädigt, dass sie heute völlig anders aussieht.

Zur Arminiushalle gehören natürlich auch menschliche Schicksale, zum Beispiel das von Louise Auguste Friederike Lewerenz aus Wedding, die anno 1891 hinter einem Blumenstand ihre Geschäfte aufnahm. Es folgte Helene Berg, verwitwete Runkwitz, die Tochter von Louise, dann Erika Richter aus Pankow und anlässlich den 100. Geburtstag der Arminiushalle feierte deren Sohn Bernd mit seinem „Blumenhaus Erika“ im Seitenschiff eines Tempels der benjaminischen Ceres, der Göttin aller Feldfrüchte, das Jubiläum der Halle mit.

Feld- und Meeresfrüchte aller Art und aus aller Herren Länder, Fleisch, Beilagen, Bier, Wein, sowie die dazugehörige Gastronomie gab und gibt es in der Arminiushalle bis heute. Dazu noch vieles andere. So beschrieb der Tagesspiegel das Treiben in und um die Halle 1965 so: Sonnabends reichen die Parkplätze … nicht aus. Nach kilometerlangen Anfahrten werden die Kofferräume vollgestopft mit Porree und Apfelsinen, Broten und Heringen und einem saftigen Eisbein obenauf.

Für die Bodenständigen und Gesprächsbereiten bietet Wurst-Werner für 2.60 Euro ein Frühstück samt Einschätzung der politischen Großwetterlage. Zu haben sind aber auch Chablis und Austern.




Quellen: Tagesspiegel

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