Sonntag, 24. Januar 2016

Kubanisches Tagebuch, Folge IV: Sturmfront

 
Surfing en La Habana? No es Hawaii, es La Habana. Esta ciudad no está preparada para la lluvia: http://oncubamagazine.com/columnas/dias-de-lluvia/
 
 Mein Schreibtisch steht inzwischen auf einer Insel. Ein Jahr Kuba - das ist Abenteuer pur, Eintauchen in eine andere Welt, die bei genauerem Hinsehen so anders gar nicht ist. Dennoch. Vieles, was für mich im Alltag selbstverständlich war, ist es nicht mehr. Das gilt im Übrigen auch für so manches Klischee.Und manchmal verschicke ich Rundbriefe an die daheimgebliebenen Freunde, einen können Sie jetzt lesen.

Nasse Grüße von der Insel

Es ist kühl in Havanna. Tagsüber so um die 20 Grad, regnerisch, windig. Und dann bricht die Sintflut los. El Niño bockt in diesem Jahr gewaltig. Für das Klimazentrum kommt das weniger pberraschend, als für mich, dort wird in den nächsten Monaten mit weiteren Sturzregen gerechnet.

Als ich das erste Mal nach Kuba kam, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal einen Zusammenhang zwischen 20 Grad und eklig-kühl herstellen würde. Aber es hat sich vieles geändert seit dem Frühjahr 2015, als mein Abenteuer “Ein Jahr auf Kuba” begann. Ich erschrecke bei Sintflut nicht mehr. Und ein anderes kleines Beispiel: Ich mag inzwischen Ketchup und verwende es fast ebenso üppig wie die Kubaner. Das gilt auch für Mayonaise.
Außerdem, ich gebe es zu, meine Rundbriefe sind weniger geworden. Zum einen ist inzwischen so vieles selbstverständlich, Alltag geworden. Ich habe mich eingefunden, komme gut zurecht in dieser so unterschiedlichen, und was das menschlich Grundsätzliche betrifft, doch so ähnlichen Welt.

Dass ich weniger Rundbriefe verschicke, mag auch daran liegen, dass ich Tagebuch führe. Das Manuskript für mein geplantes Buch “Ein Jahr auf Kuba” umfasst digital zumindest längst mehr Seiten, als es haben darf. Noch ein kurzer Tripp nach Deutschland um die Behörden zufrieden zu stellen, dann noch einmal der lange Flug auf die Insel, einige weitere Wochen – und schon ist das Jahr vorbei. Ich kann es kaum glauben, während ich hier sitze, schreibe und darüber nachdenke, dass ich jede Menge kürzen muss, ehe das Manuskript spätestens Mitte Mai an das Lektorat des Herder Verlages geht. Das Buch selbst soll im Herbst erscheinen.
Was hat sich geändert in den vergangenen Wochen und Monaten? Ganz klar ich. Die Person, die nach Kuba ging mit all den romantischen Vorstellungen im Kopf, die so über die Insel kursieren, hat viel dazugelernt. Und wieder einmal begriffen, dass es nicht die Perferfektion ist, die liebenswert macht, sondern dass es die Schwächen sind, die faszinieren. Zumindest ist das bei mir so.

Insofern hoffe ich, dass die Leser mir meine Unzulänglichkeiten verzeihen, wenn das Buch über mein Abenteuer Kuba einmal erschienen ist und ein wenig von der Faszination spüren, die ich noch immer empfinde. Wenn auch auf eine andere Art.

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